„Dies sind die Namen …“  (2Mose 1,1)

 

Mit großer Spannung werden sie erwartet. Die Namen. Die Namen derjenigen, die zum OSKAR nominert sind, einer neuen Regierung angehören sollen oder mit einem Nobelpreis ausgezeichnet werden. Die in einem erlauchten Kreis sorgsam abgewogenen Entscheidungen werden öffentlich gemacht … Und, wer ist’s geworden?

Namen spielen in unserem Leben eine große Rolle. Die ganze „Fan-Kultur“ beruht auf den „großen Namen“. Es scheint irgendwie das Selbstwertgefühl zu steigern (oder gar erst herzustellen?) wenn man ein „Idol“ hat, dass sehr erfolgreich und überaus bekannt ist. Ein VIP halt – eine „very wichtige Persönlichkeit“.

 

Das zweite Buch Mose heißt in der jüdischen Bibel schlicht und einfach: „Namen“ (hebr. „Schemot“). Wir kennen es auch unter dem (wissenschaftlichen) Namen: Exodus. Und mit diesem Namen wird dann ja schon das „entscheidend wichtige“ dieses biblischen Buches benannt: Es geht um den „Exodus“ – den Ausweg, den Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten.  Allerdings kann man das nun auch gerade über den jüdischen Titel sagen, der über dieses zweite Buch der Tora gestellt wurde. Obwohl die Juden die Bücher ihrer heiligen Schrift einfach nach dem ersten – in unserem Fall: des zweiten – Wortes benannt haben. „Schemot“ also: Namen.

 

Zunächst geht es um die Namen der „Söhne Jakobs“ und damit um die Stammväter des jüdischen Volkes. Aber letztlich geht es im 2. Buch Mose um   D E N   Namen. Den einen, unaussprechlichen, geheimnisvollen und faszinierenden, einzigartigen und über 8.000 x im ersten Testament vorkommenden Namen. Diese vier Buchstaben – JHWH – von denen man nicht weiß, wie sie wirklich auszusprechen sind. Und da es ein heiliger Name ist, spricht ihn ein gläubiger Jude nicht aus. Stattdessen sagt man, immer wenn diese vier Buchstaben im biblischen Text vorkommen einfach „HERR“ (hebr. „Adonai“). Oder besser noch: Man unterscheidet zwischen Texten, die etwas über JHWH sagen – erzählende Texte eben – und der direkten Anrede. Wenn über IHN gesprochen wird, gebraucht man statt des Namens „EWIGER“ oder sagt einfach: „HASCHEM“, was soviel heißt wie „Der Name“. Und in der direkten Anrede gebraucht man „ADONAI“ (eigentlich: „Meine Herren“) – in unseren Bibelübersetzungen meist wiedergegeben mit dem großgeschriebenen HERR.

 

Warum so ein Hype um diesen Namen, der Mose am brennenden Dornbusch in der Wüste Sinai offenbart wird? (2.Mose 3,14)  Nun es geht um den Namen, den man auf gar, gar keinen Fall „unnütz“ aussprechen darf: „Du sollst den Namen des EWIGEN nicht zu Nichtigem aussprechen, denn der EWIGE wird den nicht ungestraft lassen …“ (2.Mose 20,7)

Aber, wenn es so ernsthafte Konsequenzen hat, den Namen Gottes „falsch“ auszusprechen, warum verzichtet man nicht ganz darauf? Und sagt stattdessen einfach „Gott“?

Nun, das würde zunächst einmal zurückfragen lassen: Welchen „Gott“ meinst du? Was ist dir zum „Gott“ geworden? Oder zum „kleinen Gott“ – zum „Götzen“? Alles, was in deinem Leben an erster Stelle steht und absolute Priorität hat, ist „dein Gott“! Denn: „Du sollst den EWIGEN, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit all deiner Kraft …“ (5.Mose 6,5)  Da bleibt nicht mehr viel für den Eigenbedarf… Darum ist es so entscheidend, welchem „Gott“ du dienst – wem du gehörst! Wessen Namen du anrufst, wenn du in Not bist! Oder besser: Welchem Gott du die Ehre und Anerkennung und Anbetung darbringst. Daher können wir auf den „Namen“ nicht verzichten.

Und noch ein zweiter, wichtigerer Gedanke: Über dem „Kennen“ und „Anrufen“ SEINES Namens sind so unendlich schöne und wohltuende Versprechen des EWIGEN benannt worden, dass wir dies auf gar keinen Fall verachten dürfen! Das ist – im wahrsten Sinne des Wortes – lebensgefährlich! Es kostet dich dein Leben! Denn: „Die den Namen des EWIGEN anrufen werden, werden gerettet werden!“ (Joel 3,5) Und Rettung haben wir bitter nötig. Rettung von den Folgen unsrer Sünde und unsres Versagens, unsres Ungehorsams und unsrer Eigensucht. Rettung vor den zeitlichen Folgen – im hier und jetzt (z.B. auch Krankheiten und Leiden, die mit der gefallenen Schöpfung zusammen hängen). Rettung von den ewigen Folgen – der endgültige (zweite) Tod; der ewige Ausschluss vom Leben. Und ist es - global gesehen – nicht dringend anzuraten, den Namen des EWIGEN endlich anzurufen, damit all das „Flickwerk“ der menschlichen Versuche, Umwelt und Klimawandel in den Griff zu bekommen, SCHÖPFERISCHE Autorität bekommt? Nämlich durch den Namen, der über allen Namen ist?

Aber: Wie aber können wir das? Schau doch die Güte und Freundlichkeit des EWIGEN. „Er sandte seinen Sohn – Jesus – damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh. 3,16)  Das ist EVANGELIUM: Dass Jesus Christus für uns gestorben ist – begraben wurde und auferweckt wurde. Und nun lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und IHM ist der Name verliehen worden, der über allen Namen ist. „Damit in dem Namen Jesu sich beugen soll jedes Knie … um zu  bekennen: Jesus ist „ADONAI“: Jesus ist HERR! Zur Ehre Gottes des Vaters.“ (Phil. 2,11)

Was hindert uns – als politische Gesellschaft – endlich SEINEN Namen anzurufen? O.K. – da gibt’s schon einige Gründe, warum das nicht passiert … Also dann vielleicht „etwas Kleiner“: Was hindert KIRCHE daran, endlich wieder zu dem zu stehen – und sich zu dem zu bekennen – was sie doch „glaubt“ …? Aber „Kirche“ fängt ja bei Dir und mir an! Also: Was hindert Dich, seinen Namen anzurufen?  Es ist doch so unendlich viel für Dich versprochen …  Und nicht nur, dass dann Dein Name im „Buch des Lebens“ steht – er bekommt eine große Bedeutung für den EWIGEN. Denn mit Dir will Gott Geschichte schreiben – Dich zu einem Teil seiner Heilsgeschichte „in unseren Tagen“ machen. Bist Du dabei?

 

Shalom und seid reich gesegnet

in „IHM, der uns liebt!“ (Offb 1,5)

                                                 Bernd Niemeier

 

 

Gedanken zum ERNTEDANKFEST

 

„Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird rasche Fortschritte machen; deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deine Nachhut sein …“                                                             (Jes 58,8)

Zeitenwenden kosten etwas! Zeit und Geld etwa … manchmal sogar gerät ein ganzes Weltbild  „in’s Wanken“! Als Nikolaus Kopernikus (1473-1543) seine Berechnungen anstellte und bewies, dass sich gar nicht alles um die Erde – unseren Heimatplaneten – drehte, hatte Kolumbus (1451-1506) gar entdeckt, dass die Erde gar keine Scheibe ist und Martin Luther (1483-1545) stellte dem Dogma der „alleinseligmachenden Kirche“, den „alleinseligmachenden Christus“ entgegen. Zeitenwenden kosten etwas! Den Britten Zeit – die sie gerne investieren, um von der jüngst verstorbenen Queen Elisabeth II Abschied zu nehmen; (immerhin mit bis zu 30 Stunden anstehen für einen Kondolenzbesuch) – den Humanisten kostet es zumindest ihr Dogma, dass mit der menschlichen Vernunft – und den richtigen Argumenten – alles durch Einsicht und Entgegenkommen – und somit friedlich zu regeln ist … Und uns? „Wenn wir als kleiner Bäckereibetrieb überleben wollten, müsste ein „normales“ Brot mindesten 8 € kosten!“ Bei einer Steigerung der Energiekosten in der Backstube von jährlich 120.000 € auf 1.120.000 € durchaus nachvollziehbar! „Und als es das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte lebendige Wesen sagen: Komm und sieh! Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd, und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte eine Stimme inmitten der vier lebendigen Wesen, die sprach: Ein Maß Weizen für einen Denar, und drei Maß Gerste für einen Denar; doch das Öl und den Wein schädige nicht…“ (Offb 6,5-6) Das ohnehin beliebte Spekulationsgeschäft der Reichsten der Reichen mit dem Lebensnotwendigsten – dem Weizen etwa (oder dem Wasser!) – ist auf eine dramatische Weise in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Die „Kornkammer der Welt“ konnte ihren Beitrag zur Welternährung nicht mehr „verschiffen“. Durch Sprengfallen blockierte Häfen – ganz abgesehen von geplünderten Ernten und niedergebrannten Ackerflächen …Und wenn das letzte Buch der Bibel die katastrophalen Folgen des „Griffs nach der verbotenen Frucht im Garten Eden“ in ihrer letzgültigen Konsequenz aufzeigt, mag auch dem „letzten Skeptiker“ bewußt werden: Wir brauchen einen Erlöser! (Übrigens, das „Verschonen von Öl und Wein“ betrifft die Luxusgüter – vielleicht ja nur ein Hinweis, dass den Wohlhabenden auf diesem Planeten noch eine „kleine Zeit zum Umdenken“ gegeben wird) … Wir brauchen einen Erlöser? Ja, wer sollte denn das sein? Johannes, dem Schreiber dieses biblischen Buches, standen die Tränen in den Augen: „… keiner im Himmel oder auf der Erde oder gar unter der Erde (also ein bereits Verstorbener) war WÜRDIG das Buch mit den sieben Siegeln – die letzten Geheimnisse der Menschheitsgeschichte – zu öffnen …“ Aber dann wird er getröstet: „Weine nicht! Würdig ist der Löwe aus dem Stamm Juda …“ (Offb 5,4-5) Und als er dann seine Augen aufhob und sich umschaute, sah er … ein LAMM! Ja, das Lamm, das die Sünden der ganzen Welt hinwegträgt. Nur und ausschließlich die Demut des Lammes Gottes kann dem Stolz der Menschen etwas entgegensetzen. Kann ERLÖSEN. Kann die Last dieser Welt tragen. Und zwar zum Kreuz, um dort mit seinem eigenen Leben zu bezahlen. Sein Blut zu opfern, für die Zukunft der Menschen, die IHM vertrauen! Und im Angesicht dieser Tatsache ist das Erntedankfest 2022 – Erntedank im Horizont der Zeitenwende – eben kein Fest trotz weltweiter Klimaerwärmung und Mangelernten, sondern ein Fest im Wahrnehmen der unglaublichen Chance, Gottes Ernte einzubringen! Fröhlich, weil voller berechtigter Hoffnung (immerhin eine „lebendige Hoffnung“ laut 1Petr 1,3!) das Evangelium zu verkünden und Menschen für Jesus zu begeistern! Dann freuen wir uns nicht nur an dem sichtbaren Erntesegen auf dem Garbentisch, sondern ganz besonders an den Menschen, die den Ruf des Reiches Gottes gehört haben. Und Teil der großen Ernte Gottes sind! Zeitenwende kostet etwas – Umdenken ist angesagt! Denn wir schauen nicht nur auf das „Sichtbare“, sondern auch auf das (noch) „Unsichtbare“. Um mit Dietrich Bonhoeffer zu bekennen: „Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet: All deiner Kinder hohen Lobgesang.“ Und in diesem Sinne ist unsere Dankbarkeit eine Einladung an Gott – ja ein sehnsuchtsvolles Erflehen – SEINE Gerechtigkeit auf unserem Planeten endlich hervorbrechen zu lassen …    Shalom und seid reich gesegnet in IHM, der uns liebt“ (Offb 1,5-6)

 

Herzlichst Euer  Bernd Niemeier